Ein Leben für die Familie – die Großmutter

Dorothea führte ein rundum bescheidenes Leben. Sie wuchs auf im beschaulichen Walsrode und dort verbrachte sie im Grunde ihr gesamtes Leben. Schon in jungen Jahren war sie eine treue Kirchgängerin, und stand sie mal vor schier unüberwindlichen Hindernissen – was, wie wir alle wissen, gerade in der Jugendzeit häufiger vorkommt –, so fand sie stets Rat und Kraft im Glauben.
Wenn man ihre Freunde und die Familie danach gefragt hätte, [mehr...]

mit welchen Worten sie Dorothea am ehesten beschreiben würden, so hätte es geheißen: liebevoll und hilfsbereit. Stets war sie für andere da, hatte ein offenes Ohr und stand tatkräftig zur Seite. Und besonders gegenüber Kindern hatte sie ein großes Herz.

Da lag es nahe, dass sie nach der Schule im Kindergarten zwei Straßen weiter ihre Berufung fand. So hatte sie Tag für Tag eine Schar ihrer kleinen Schützlinge um sich und es bereitete ihr viel Freude, den jungen Menschlein die Welt zu erklären. Doch natürlich blieb es nicht dabei. Auch zu Hause sollte zunehmend Leben einkehren.

Mit ihrem Mann Hermann – sie waren bereits seit der Schulzeit ein unzertrennliches Paar – hatte Dorothea schon bald zwei Söhne und zwei Töchter. Und fast noch größer war die Freude, als schließlich auch die Enkelkinder und sogar Urenkel an den Rockzipfeln der Oma zu zupfen begannen.
Ihr geliebter Hermann war da leider schon nicht mehr – der Herrgott hatte ihn viel zu früh zu sich geholt. Doch Dorothea hielt stets den Kopf aufrecht und war bis zum Ende wie ein Fels in der Brandung für die gesamte Familie. Es schien ihre Bestimmung, für andere da zu sein. Wenn sie helfen konnte, dann war sie ganz in ihrem Element, dann fühlte sich das Leben für sie richtig an.

Dieses Leben währte lange. Im Alter von 91 Jahren trat Dorothea dann schließlich ihrem Schöpfer entgegen – sie war friedlich im Kreise der Familie entschlafen.

Zum Abschied am Sarg spielte die Orgel und die Gemeinde sang „So nimm denn meine Hände“. Kinder, Enkelkinder und Urenkel hatten sich versammelt, um der geliebten Frau die letzte Ehre zu erweisen. Und sie alle wussten: Dorothea war nun heimgekehrt zu ihrem Erlöser. Im Anschluss an die Beisetzung auf dem Friedhof gab es Kuchen und Schnittchen – ein bescheidenes Mahl, wie Dorothea selbst es bevorzugt hätte.

(Unsere „Lebensgeschichten“ sind selbstverständlich alle fiktiv und sollen Ihnen einen Eindruck von der Besonderheit eines jeden einzelnen Menschen vermitteln.)