Im Herzen den Wind und die Wellen, doch treu der Frau und den Kindern – der Seemann

August war vom ersten Augenblick an ein Original. Von strenger Hand erzogen, sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten und ein sicheres Handwerk erlernen. Doch für diesen Jungen war das nichts. Viel zu öde, was für eine Zeitverschwendung …
Nach dem Abbruch der Tischlerlehre hieß es plötzlich: Ahoi! Gebt dem August ein Schiff und Leinen los! Als Jungkoch heuerte er auf der San Diego an und [mehr...]

lebte von nun an auf dem Wasser. Es war ein Leben wie geschaffen für diesen jungen Mann, die harte Arbeit schreckte ihn nicht. Er bereiste die sieben Weltmeere, lernte die Kontinente kennen und war in allen großen Häfen zu Haus. Oft stand er am Bug, sog die salzige Luft in sich auf und genoss den Wind und das Tosen der Wellen.

Man sagt, ein Seemann sei nur seinem Schiff und dem Meere treu. Doch August war da anders. Auf einem Landgang lernte er ein hübsches Mädchen kennen, Annemarie. In ihr fand er eine neue Heimat. Wer sagt, ein Seemann könne nicht sesshaft werden, der irrt gewaltig. Was die Liebe nicht alles vermag, gemeinsam mit der Sehnsucht nach Verbundenheit, nach Familie.

Das junge Paar übernahm eines Tages die Ziegelei des Vaters und so ging August schließlich doch einem handfesten Berufe nach. Gleichzeitig wuchs die Familie – erst Zwillinge, Jahre später ein nicht weniger innig geliebter Nachzügler. Trotz der harten Arbeit war August seinen Kindern ein liebevoller und sorgender Vater.

Seine besondere Liebe zum Meer flammte immer wieder auf. Noch als Großvater waren es wundervolle Momente im Kreise der Familie, wenn das wohlbehütete Schifferklavier erklang und die alten Seemannslieder angestimmt wurden. Die Enkel lauschten gebannt den spannenden Geschichten, die August gut auszuschmücken wusste.

Als er schwer krank wurde, lehnte August die Medizin ab. Da auch Annemarie nicht mehr die Kraft für eine ausreichende Pflege aufbringen konnte, kam er ins Pflegeheim in Schwarmstedt. Kurze Zeit später starb August an den Folgen seiner Krankheit.


Die Feier fand im großen Kreis vor der Urne statt. Später wurde die Asche im Zuge einer würdevollen Seebestattung dem Meer übergeben – August kehrte in den Schoß seiner zweiten Heimat zurück. Zum Abschiedsessen gab es Fischplatten und Baguette, Matjes mit Pellkartoffeln und natürlich einen Schnaps zu seinen Ehren.

(Unsere „Lebensgeschichten“ sind selbstverständlich alle fiktiv und sollen Ihnen einen Eindruck von der Besonderheit eines jeden einzelnen Menschen vermitteln.)