Ein liebevoller Blick und sorgsame Hände – die Gärtnerin

Lieselotte hatte eine wundervolle Kindheit im pommerschen Podejuch, bloß einen Katzensprung von Stettin entfernt. Noch viele Jahrzehnte später konnte man ihre Augen leuchten sehen, wenn sie von ihrer einstmaligen Heimat erzählte. Doch nach dem Krieg wurde die Familie von dort vertrieben und Lieselotte fasste gemeinsam mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern Fuß in Siedenbrünzow. Hier begann ein neuer Lebensabschnitt.

Mit ihren sechzehn Jahren [mehr…]

fand sie schnell einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, feierte in ihm viele fröhliche Dorffeste und stellte oft genug ihr Können auf dem Tanzparkett unter Beweis. Ihr Lebensmut war wahrlich ansteckend.

Mit 19 lernte sie dann Hubert kennen. Schnell wurden Nägel mit Köpfen gemacht und gefühlte Augenblicke später kam auch schon Tochter Magdalena auf die Welt. Es waren glückliche Jahre – nur leider zu wenige von ihnen. Hubert verstarb plötzlich und viel zu früh. So musste Lieselotte nun lernen, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, und aus der jungen Witwe wurde eine starke und tatkräftige Frau, die trotz aller Widrigkeiten immer für ihre Tochter da war.

Die Jahre zogen ins Land und Magdalena zog berufsbedingt mit ihrer Familie nach Walsrode. Aus der Ferne konnte die junge Frau nur mit dem Kopf schütteln, wenn die Mutter trotz zunehmender Altersbeschwerden noch die Leiter aus dem Schuppen trug, um die jährliche Kirschernte einzuholen, und selbst bei 30 Grad fleißig neue Beete anlegte. Was Lieselotte in den Sinn kam, das tat sie auch – bei Wind und Wetter. Ihr geliebter Garten machte sich eben nicht von selbst.

Ende des Jahres 2013 jedoch kam der erste Schlaganfall, schon wenig später der zweite. Lieselotte musste schweren Herzens ihr eigenständiges Leben aufgeben und zog ins Seniorenheim in Walsrode, in die Nähe ihrer Tochter. Es war ihr ein Gräuel, nun – nach solch einem selbstbestimmten Leben – auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Doch trotz der Schwere gab es auch immer wieder diese Augenblicke, in denen sie aufblühte. Etwa wenn ihre anderthalbjährige Enkelin Emma das Zimmer betrat. Oder wenn sie von früher erzählte. Dann waren ihre schöne Kindheit und ihr blühender Garten wieder ganz nahe.


Es war ein kleiner, liebevoller Abschied vor der handbemalten Urne. Die Beisetzung fand im engen Familienkreis auf dem Friedhof in Walsrode statt. Im Anschluss gab es Kirsch- und Streusellkuchen – Lieselottes Lieblingskuchen.

(Unsere „Lebensgeschichten“ sind selbstverständlich alle fiktiv und sollen Ihnen einen Eindruck von der Besonderheit eines jeden einzelnen Menschen vermitteln.)